Wie entwickelte sich das Reiseverhalten in Deutschland 2020?

Die Auswirkungen auf das Reiseverhalten: Bereits von März bis April diesen Jahres stand die Hotellerie und Gastronomie mit dem ersten Lockdown vor dem Abgrund. Kontaktbegrenzungen und Reiseeinschränkungen haben die Buchungen beziehungsweise die Auslastung der Betriebe stark abnehmen lassen. Viele Reisen wurden storniert und die Arbeitnehmer in die Kurzarbeit geschickt. Hohe Umsatzverluste waren die Folge. Mit dem zweiten Lockdown wird das Ausmaß der Corona-Krise für die Hotellerie und Gastronomie noch größer. Seit dem 02.11.2020 sind neue Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise verabschiedet worden, welche die Wirtschaftlichkeit von vielen Unternehmen erneut negativ beeinflusst haben. Kurzarbeit, Betriebsschließungen und weitere Managemententscheidungen sind die Folge. Viele Hoteliers und Gastronomen kommen in Zuge dieser Krise auf die Experten der agere. zurück, um eine Einschätzung zur Wiederbelebung des Reisemarktes in Deutschland zu erhalten. Für die Berater ist es wichtig, eine ungefähre Prognose abzugeben, damit zukünftige Projekte und strategische Entscheidungen in den beratenden Betrieben belastbar getroffen werden können. Damit auch andere touristische Dienstleister von den Annahmen profitieren können, haben wir unsere Prognosen für Sie zusammengefasst. Bitte beachten Sie, dass alle Annahmen nur eine Prognose sind und die Entwicklung der Corona-Pandemie eher schwierig vorherzusagen ist.

Reiseverhalten
Wann ist mit einer Vitalisierung des Tourismus zu rechnen?

November bis Dezember 2020: Lockdown

Die Berater der agere. gehen davon aus, dass die bis Ende November verabschiedeten Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus bis Mitte Dezember verlängert werden. Alle Hoteliers sollten sich darauf vorbereiten Ihre im November getroffenen Maßnahmen bis Mitte Dezember auszuweiten. Das Weihnachtsfest wird für familiäre Besuche möglich sein. Ende Dezember ist mit einem harten Lockdown zu rechnen. Es bleibt damit zu prüfen, ob eine Betriebsschließung des Gesamtbetriebes bis Ende des Jahres sinnvoll ist.

Reiseverhalten im Frühjahr 2021: Der Neustart ins Jahr

Der strenge Lockdown nach dem Weihnachtsfest wird mindestens bis 10. Januar aufrecht gehalten. Danach werden zunächst Lockerungen eintreffen, die wahrscheinlich zunächst erst wieder den Einzelhandel betreffen werden. Somit werden touristische Reisen wahrscheinlich bis Ende Januar ausbleiben. Ab Februar sind weitere Lockerungen in Sicht, sodass bereits ab Mitte Februar weitere Lockerungen auch für die Hotellerie und Gastronomie unter bestimmten Auflagen möglich sind. Für unsere weiteren Annahmen wird, davon ausgegangen, dass es im Jahre 2021 nicht zu einem weiteren Lockdown kommt. Der Jahresauftakt nach dem Lockdown wird jedoch genauso verhalten beginnen, wie der November 2020 begonnen hat. Wir werden ab Februar zunächst mit einer zähen Auslastungszunahme starten, da das Vertrauen in Reisen und touristische Dienstleister erst erneut gestärkt werden muss. Zudem kommen die in vielen Regionen klassischerweise schwachen Nachfragezeiträume zu Beginn des Jahres. Auch das Tagungs- und Seminargeschäft in den Monaten Februar bis April wird eher gering ausfallen. Viele Veranstaltungen wurden bereits im Vorfeld abgesagt und es ist nicht davon auszugehen, dass kurzfristige Veranstaltung vermehrt gebucht werden. Man sollte trotzdem seine MICE-Kapazitäten im Frühjahr gut aufstellen und die Sichtbarkeit auf diversen Kanälen sicherstellen, sodass Veranstaltungen im letzten Drittel des Jahres gebucht werden können. Durch die schwache Auslastung und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende 2020 wird es im Frühjahr 2021 zu einer „Pleitewelle“ kommen. Viele überschuldete Unternehmen werden die schwachen Umsätze nicht weiter auffangen können und zahlungsunfähig werden. Die Berater der agere. gehen davon aus, dass circa 30 Prozent der beherbergenden Unternehmen in die Insolvenz kommen, sofern keine weiteren Hilfspakete verabschiedet werden. 

Ab März 2021: Lass die Sonne scheinen!

Mit einer ersten Vitalisierung des Hotelmarkts wird aus Sicht der Berater der agere. ab frühestens März 2021 auszugehen sein. Die hoffentlich frühe Öffnung der Außengastronomie und die Sehnsucht nach Reisen in der Bevölkerung stehen hierbei, bedingt durch das Wetter, als treibende Faktoren voran. Da die Reisedestinationen an den deutschen Küsten, welche bereits im Sommer 2020 gut besucht waren, sehr hohe Preise aufrufen und zum Teil schon im Vorfeld ausgebucht sind, werden Gäste nach weiteren Alternativen suchen und auch der Städtetourismus wieder langsam steigen. Auch hierbei ist die Sichtbarkeit des eigenen Betriebs von großer Bedeutung, sodass passende Dienstleister / Online Travel Agencies ausgesucht und relevante Arrangements für die Gäste ausgearbeitet werden sollten.

Ab in das Sommerloch: Schritt zurück

Die Auslastung in den Hotels wird stetig bis zu den Sommerferien steigen, bis dann eine Stagnation oder sogar eine rückläufige Auslastung betrachtet werden kann. Viele Stadt- und Seminarhotels werden mit dem Sommerloch noch enormer zu kämpfen haben, als es schon in den vergangenen Jahren der Fall war. Hier gilt es sich im Vorfeld schon so aufzustellen, dass man auf einen flexiblen Personalapparat zurückgreifen kann und eventuell neue Gästesegmente in der Zeit anspricht.

Ab September 2021: Ende der Durststrecke

Nach den Sommerferien wird von der wirklichen Vitalisierung des Binnentourismus ausgegangen. Die Berater gehen davon aus, dass nach den Sommerferien und mit Beginn des Herbstes erste Veranstaltungen sowie Kongresse stattfinden können und der inländische Businesstourismus wieder an Geschwindigkeit aufnimmt. Ab Mitte Herbst ist auch mit einer ersten Phase der Vitalisierung des ausländischen Tourismus zu rechnen. Die Auslastungszahlen werden sich stabilisieren und die Umsätze wieder deutlich planbarer werden. Es ist weiter davon auszugehen, dass touristische Veranstaltungen, wie beispielsweise Weihnachtsmärkte im Dezember, die touristische Nachfrage in vielen Destinationen deutlich verstärken wird und somit eine Genesung des Hotelmarkt ab Ende 2021 abzusehen ist.

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